Buchrezensionen

Der «jüngste Buchblogger der Schweiz» Josia Jourdan gibt ab dieser Ausgabe in seiner Kolumne drei Buchempfehlungen ab. Auf seinem Blog josiajourdan.ch kritisiert er Bücher, spricht mit wichtigen Autorinnen und Autoren, aber auch mit Bachelorette Adela Smajic.

NSA von Andreas Eschbach

Was wäre, wenn es im Dritten Reich schon Computer gegeben hätte, das Internet, E-Mails, Mobiltelefone und soziale Medien – und deren totale Überwachung?

Andreas Eschbach hat ein Meisterwerk geschrieben. Von der Idee über die Umsetzung zu den Charakteren hin stimmt alles. Er trifft einen Zeitgeist und schreibt über ein hochaktuelles Thema. Digitalisierung, rechte Parteien und Überwachung sind für uns gerade heute ein Thema und auch wenn Eschbach das Gedankenexperiment in der Vergangenheit spielen lässt, ist Fiktion nahe an Realität und das ist beängstigend. Eine geniale Geschichte, bei der jedes Wort sitzt, jedes Detail durchdacht ist und ich nicht selten schockiert worden bin. «NSA» trifft einen wunden Punkt und rüttelt wach. Aber auch die persönlichen Geschichten der Protagonisten haben mich fasziniert.

Das stärkste und wichtigste Buch, welches ich seit langem gelesen habe.

NSA von Andreas Eschbach

Hühnerställe schwimmen nicht von Alice Gabathuler

Protagonist ist der Jugendliche Jonas, welcher sich überlegen sollte, was er in der Zukunft machen will. Aber seine Eltern sind zu anstrengend und dann wird auch noch das Dorf von einem Bergbach überschwemmt. Seine Familie und somit auch er sollen im Mittelpunkt einer Doku-Soap stehen. Verrückt! Jonas hat keinen Bock mehr. Doch dann begegnet er Lilli und er verliert sich in ihren Bergseeaugen…

Alice Gabathuler schreibt angenehm und ohne zu viele Ausschweifungen. Die Geschichte wirkt auf den ersten Blick verrückt und übertrieben. Doch das Leben schreibt manchmal die verrücktesten Geschichten und das beweist dieses Buch.«Hühnerställe schwimmen nicht» ist ein urkomischer Roman mit schrägen Charakteren, welche so gar nicht den Stereotypen entsprechen und dadurch zeigen, wie verschieden jeder Mensch ist. Die Geschichte begeistert und auf 200 Seiten bringt uns die Autorin die Charaktere nahe. Jonas’ Emotionen wirken real und stellenweise fühlt man sich mitten ins Geschehen versetzt.

Insgesamt ein unterhaltsames Buch, welches ich all denen empfehlen möchte, die gerne auch etwas Verrücktes lesen.

Hühnerställe schwimmen nicht von Alice Gabathuler

HYDE von Antje Wagner

Seit sie denken kann, ist Hyde Katrinas Zuhause gewesen. Hier ist sie aufgewachsen, mit ihrer Schwester Zoe und ihrem Vater. Jetzt ist Hyde verschwunden – und Katrina auf sich allein gestellt. Von dem, was geschehen ist, weiß sie nur noch Bruchstücke. Als sie beginnt, ein verfallenes Haus zu renovieren, mit dem sie sich auf seltsame Weise verbunden fühlt, führt sie dies auf die Spur eines Geheimnisses.

Die Rätsel und Geheimnisse machen dieses Buch aus. In Antje Wagners Schreibstil steckt eine extreme Sogkraft. Teilweise fast schon poetisch beschreibt sie das Geschehen. Ausgeklügelt, jederzeit voller Spannung, intensiven Gefühlen und einigen sehr emotionalen Szenen. «HYDE» von Antje Wagner ist ein Überraschungshighlight. Eine ruhige, düstere, leicht mystische Geschichte, welche dank ihrer Erzählweise, der aussergewöhnlichen Protagonistin und den vielen genialen Plottwist überzeugt hat.

Dieses Buch hat mich nicht mehr losgelassen.

HYDE von Antje Wagner

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